Dieser Artikel erschien exklusiv in der stadt+werk 5/6-2026
Autor: Christoph Buck
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Cloud-basierte Energiemanagementsysteme geraten zunehmend in den Fokus der Cybersicherheitsdebatte. Das Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (VDE FNN) forderte so bereits im letzten Jahr in einem Positionspapier die lokale Verarbeitung netzorientierter Steuerbefehle in der Kundenanlage. Die beegy GmbH, Tochterunternehmen der MVV Energie AG, hat diesen Grundsatz von Anfang an in die Architektur ihres Heim-Energiemanagementsystems (HEMS) eingebettet und setzt damit Maßstäbe über die aktuellen regulatorischen Anforderungen hinaus.
Die Energiewende verändert nicht nur die Erzeugungslandschaft, sondern auch die IT-Architektur im Eigenheim. Wo früher ein Zähler und eine Sicherung genügten, kommunizieren heute PV-Anlage, Batteriespeicher, Wärmepumpe und Wallbox über digitale Schnittstellen miteinander – und mit der Außenwelt. Heim-Energiemanagementsysteme orchestrieren diese Komponenten und werden zur zentralen Schaltstelle der dezentralen Betriebsführung. Doch mit der Vernetzung steigt auch die Angriffsfläche. Spätestens mit dem Rollout der §14a-EnWG-Steuerung stellt sich die Frage: Wie sicher sind die Systeme, die künftig Millionen dezentraler Anlagen steuern sollen?
VDE FNN warnt vor Cloud-Abhängigkeit bei Steuerbefehlen
Genau diese Frage adressierte das VDE FNN in seinem Positionspapier zur Cybersicherheit im Umgang mit cloudbasierten Energiemanagementsystemen. Die Kernaussage ist eindeutig. Energiewirtschaftlich relevante Daten – insbesondere Steuerbefehle des Verteilnetzbetreibers – dürfen nach der Übergabe durch die Steuerungseinrichtung des Messstellenbetreibers nicht über das öffentliche Internet an eine Cloud weitergeleitet werden. Eine solche Weiterleitung konterkariere das hohe Sicherheitsniveau der iMSys-Infrastruktur, denn was nützt die verschlüsselte Übertragung über das gesicherte Weitverkehrsnetz des Smart Meter Gateways, wenn der Befehl anschließend über eine potenziell ungesicherte Internetverbindung in die Cloud geschickt wird?
Das Positionspapier benennt zudem weitere Risiken. Bei einem Ausfall der kundenseitigen Internetverbindung kann der Steuerbefehl nicht mehr zuverlässig weitergegeben werden. Auch die Quittierung der erfolgreichen Umsetzung wird durch die Cloud-Verarbeitung erschwert. Im schlimmsten Fall müssen Netzbetreiber also davon ausgehen, dass ein Steuerbefehl nicht umgesetzt wurde. Vor dem Hintergrund einer wachsenden Zahl steuerbarer Verbrauchseinrichtungen stellt diese Unsicherheit laut VDE FNN eine systemrelevante Schwachstelle dar.
Lokale Intelligenz statt Cloud-Abhängigkeit
Für die beegy GmbH ist diese Position eine Bestätigung der eigenen Entwicklungsphilosophie. Das Unternehmen hat sich frühzeitig für ein physisches HEMS entschieden, das vor Ort installiert wird und das Energiemanagement lokal durchführt. „Der Grundsatz für unsere IT-Architektur war von Anfang an die Trennung der Datenströme. Es ist eindeutig definiert, welche Programme und welche Datenarten an das Backend übermittelt werden und welche nicht“, beschreibt Carsten Bruns, Geschäftsführer der beegy GmbH, den Ansatz.
Der eigenentwickelte beegy Energiemanager, Herzstück des sogenannten beegy ComKits, baut im Eigenheim ein eigenes HEMS-Subnetzwerk auf. In diesem separaten Netzwerk werden alle Energiekomponenten – vom Wechselrichter über Batteriespeicher und Wärmepumpe bis zur Wallbox – lokal angebunden, ausgelesen und gesteuert. Die Kommunikation erfolgt dabei über den Industriestandard Modbus TCP. Alle Optimierungsalgorithmen laufen lokal auf dem Energiemanager. Eine ständige Internetverbindung ist für die lokale Optimierung somit nicht erforderlich.
Mehrschichtiges Sicherheitskonzept
Das Sicherheitskonzept geht jedoch über die lokale Datenverarbeitung hinaus, das HEMS fungiert auch als zusätzliche Firewall. Alle im Subnetzwerk verbauten Komponenten sind so von außen nicht sichtbar. Kommunikation aus dem Internet zu den Geräten im Haushalt wird gesperrt. Die lokalen Komponenten können zwar ausgehende Verbindungen zu Hersteller-Portalen aufbauen, doch auch diese lässt sich über die Firewall des Energiemanagers gezielt einschränken oder komplett unterbinden. Um physisch auf die Komponenten zuzugreifen, müsste ein Angreifer also in das Subnetzwerk vor Ort eindringen.
Die Verbindung zwischen dem HEMS und dem Backend ist durch moderne Verschlüsselungs- und Authentifizierungsverfahren geschützt. Jedes System verfügt über eine eigene digitale Identität, wodurch Angriffe auf die Kommunikationsstrecke verhindert werden. Auf Backend-Seite sorgen zusätzliche Sicherheitsmechanismen dafür, dass nur autorisierte Zugriffe möglich sind und alle Zugriffe nachvollziehbar bleiben. „Das HEMS sendet an unser Backend nur definierte Datenpunkte. Skripte oder andere Programme können nicht übertragen werden“, erläutert Carsten Bruns.
Regulatorisch vorbereitet: §14a EnWG und Cyber Resilience Act.
Die regulatorischen Anforderungen werden weiter zunehmen. Der EU Cyber Resilience Act (CRA), im Dezember 2024 in Kraft getreten und nach 36 Monaten verpflichtend, stellt an Produkte mit digitalen Komponenten im Bereich kritischer Infrastrukturen die höchsten Anforderungen hinsichtlich „Security-by-Design“. Das VDE FNN fordert darüber hinaus, dass im Rahmen einer Festlegung durch BNetzA oder BSI klargestellt wird, dass energiewirtschaftlich relevante Steuerbefehle nach der Übergabe durch die Steuerungseinrichtung ausschließlich lokal verarbeitet werden dürfen.
Das beegy HEMS ist darauf vorbereitet. Über eine EEBus-Schnittstelle werden die Steuerimpulse aus dem CLS-Management über die Steuerbox am Smart-Meter-Gateway direkt in das HEMS eingespeist. Die Verarbeitung erfolgt vollständig lokal – der Steuerbefehl des VNB verlässt zu keinem Zeitpunkt den geschützten Bereich der Kundenanlage. Dank der Umwandlung in Modbus-Signale ist die Steuerung zudem nicht auf die EEBus-Welt beschränkt, es können nahezu alle offenen Systeme eingebunden werden. Auch die Quittierung gegenüber dem Netzbetreiber kann so zuverlässig erfolgen.
Bewährt im Feld, bereit für den Rollout
Die Praxistauglichkeit des Systems belegen die Zahlen. Mehr als 3.500 Prosumer-Haushalte mit über 12.000 angeschlossenen Komponenten betreibt beegy im Feld – unter anderem bei der MVV, den Stadtwerken Kiel und der Energieversorgung Offenbach. „Wir haben unser HEMS jetzt schon sehr häufig installiert und noch keinen Ausfall registriert“, berichtet Carsten Bruns. Ein zentraler Baustein hierfür sind die Over-the-Air-Updates. Diese werden für das HEMS und die angebundenen Geräte bequem aus der Ferne eingespielt. Die Aktualisierungen erfolgen dabei über gesicherte Prozesse, sodass Verbesserungen und Sicherheitsanpassungen ohne einen Einsatz vor Ort möglich sind.
Mit seinem White-Label-Angebot richtet sich beegy an Stadtwerke, die das Geschäftsfeld Heim-Energiemanagement erschließen wollen, ohne die Entwicklungskompetenz selbst aufbauen zu müssen. Partner können somit das HEMS und die gesamte Software-Suite von der digitalen Vertriebsstrecke bis zum technischen Monitoring unter eigener Marke nutzen. „Wir bieten unseren Stadtwerke-Partnern die Möglichkeit, ohne großen Investitionsaufwand in ein zukunftsträchtiges Geschäftsfeld einzusteigen – mit einer Lösung, die im Feld bewährt ist und den wachsenden Cybersicherheitsanforderungen standhält“, fasst Carsten Bruns zusammen.